Falsche Debatte?

Die folgenden Ausführungen wurden im Februar 2023 verfasst und im Kollegenkreis heftig diskutiert. Sie haben m.E. auch heute noch ihre Gültigkeit.

Führen wir eine falsche Debatte? Kontroversen um Waffenlieferungen an die Ukraine

Einleitung

Seit Beginn des Krieges in der Ukraine findet national und international eine ausufernde Diskussion um Waffenlieferung an die Ukraine statt. Spätestens aber seit dem sehr spät und widerwillig gefällten Beschluss der Bundesregierung, auch Kampfpanzer an die Ukraine zu liefern, entzündet sich die Debatte in diversen Gesprächsrunden (vulgo: Talk-Shows), Fernseh- und Presse- Interviews, Leitartikeln und Kommentaren an der Frage, ob es nicht an der Zeit wäre, dem stark bedrängten Land auch Mittelstrecken-Raketen und Kampfflugzeuge zur Verfügung zu stellen. Die Bundesregierung ist strikt dagegen, wie sie vor Monaten auch strikt dagegen war, Panzer zu liefern. Immer wieder ist in der Diskussion von sogenannten „roten Linien“ die Rede gewesen, die nicht überschritten werden dürften, die dann aber in den letzten Monaten wiederholt verschoben wurden. Andere Staaten der NATO und der EU sind unentschieden oder stehen einer solchen Lieferung offen gegenüber. Dieses ist aber von der Logik her gesehen die falsche Debatte. Sie zäumt nämlich das Pferd von hinten auf.

Zweck-Ziel-Mittel-Relation

Zum besseren Verständnis wäre es sicher an der Zeit, sich bei dieser hektischen, polemischen und sehr diffusen Debatte um die Waffenhilfe an die Ukraine wieder einmal an die Ausführungen von Carl von Clausewitz über die Zweck-Ziel-Mittel-Relation zu erinnern:

Danach stellt die Zweck-Ziel-Mittel-Relation einen zentralen Baustein innerhalb des strategischen Denkens dar. Der Zweck ist hierbei jedoch immer das Maß für die einzusetzenden Mittel sowie für die aus dem Zweck abgeleiteten Ziele. Das heißt, es stehen die Ziele in Abhängigkeit zum politischen Zweck und leiten sich aus diesem ab. Oft verschwimmen Zweck und Ziel und sind nur schwer zu differenzieren.

Im Vorfeld der Zielfestlegung und Zieldefinition erfolgt eine Zweckdefinition durch die Politik. Erst im Anschluss daran werden die Ziele als Wegmarken des Handelns festgelegt. Der Zweck legt fest, was man durch einen Krieg erreichen will, das Ziel legt fest, was man in einem Krieg erreichen will (Herfried Münkler).
Nachdem sowohl der politische Zweck als auch die Ziele näher definiert wurden, erfolgt eine Kontingentierung der Mittel, welche sich am Zweck und an den Zielen ausrichten.
Die Berechnung der Mittel, oder auch das Maß der Anstrengungen, richten sich nach der Widerstandskraft des Gegners. Daraus folgt eine relativ einfache, mathematische Gleichung: Widerstandskraft des Gegners = Schlagkraft der eigenen Mittel und Maß der Anstrengungen. Ist die Widerstandskraft des Gegners also gering, bedarf es nur schwacher Mittel und einer geringen Anstrengung. Ist die Widerstandskraft des Gegners jedoch erheblich, bedarf es wirkungsvoller eigener Mittel und einer gesteigerten Anstrengung. Gerät nun der Kraftaufwand mit dem Wert des politischen Zwecks aus dem Gleichgewicht, ist der Zweck aufzugeben und Frieden anzustreben.

Zweck-Ziel-Mittel-Relation für Russland

Für den Aggressor, die Russische Föderation, stehen Zweck und Ziel der Kriegsoperation fest: Es geht um die Wiederherstellung der Großmacht Russland in der geografischen Größe des untergegangenen Zarenreiches mit dem Ziel, in einem ersten Schritt auf diesem Wege zunächst die Ukraine niederzuwerfen und sich einzuverleiben. Wenn dieses Ziel erreicht sein wird, sollen weitere Ziele zur Erreichung des Zweckes angestrebt werden. Die dabei eingesetzten Mittel sind erheblich: ein Großteil der russischen Streitkräfte (Land-, Luft- und Seestreitkräfte) und eine ungeheure Menge an Kriegsmaterial. Fehlendes Material wird vom Iran und von Nordkorea bezogen. Flankierend dazu werden auch Söldnertruppen in einem erheblichen Umfang eingesetzt. Anfänglich machte sich Russland große Illusionen hinsichtlich der raschen Erreichbarkeit seines Zieles. Auch im Westen, ging man überwiegend davon aus, dass der Feldzug in kurzer Zeit beendet sein würde. Die russische Armee und Armeeführung erwiesen sich jedoch als viel weniger schlagkräftig und die ukrainische Armee und ihre Führung als sehr viel widerstandsfähiger (auch Dank westlicher Waffenhilfe) und effektiver als vorher angenommen. Nach seiner Niederlage vor Kiew und seinem Rückzug auf die Ost- und Südukraine verstärkte Russland seine Mittel erheblich (Mobilmachung…) und ging sogar dazu über, die zivile Infrastruktur und Wohngebiete der Ukraine mit Raketen und Drohnen aus der Luft massiv anzugreifen, um die Bevölkerung zu demoralisieren und mürbe zu machen, ein klarer Bruch des Kriegsrechts. Darüberhinaus startete es Versuche, den Westen davon abzubringen, weiter und eventuell sogar verstärkt Waffen an die Ukraine zu liefern, indem es für diesen Fall heftige Eskalationsdrohungen bis hin zu einem Atomschlag ausstieß mit dem Ziel die westliche Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen und die westlichen Strukturen zu spalten. Ein weiteres Mittel der Kriegsführung ist eine breit angelegte Propagandaschlacht im Inneren Russlands aber auch in Richtung Westen. Eine hervorgehobene Zielrichtung der Propaganda ist Deutschland. Offensichtlich glaubt Putin, dass die Einschüchterungen und die massiven propagandistischen Irreführungen dort besonders verfangen. Umfragen in der deutschen Bevölkerung scheinen dies zu bestätigen. Der Frontverlauf ist mittlerweile trotz heftiger Kämpfe zum Stillstand gekommen. Jetzt stellt sich die Frage, welchen weiteren Kraftaufwand Russland bereit ist, auf sich zu nehmen, um sein Kriegsziel zu erreichen, oder ab wann man damit rechnen kann, dass der ins annähernd Unermessliche steigende Kraftaufwand es ihm nicht mehr wert ist, den Krieg fortzusetzen (siehe Clausewitz: Gerät nun der Kraftaufwand mit dem Wert des politischen Zwecks aus dem Gleichgewicht, ist der Zweck aufzugeben und Frieden anzustreben.). Oder wird es überhaupt ohne eine fette Beute jemals mit den Kriegshandlungen innehalten? Vor dieser Frage steht die Ukraine, stehen aber auch insbesondere ihre Unterstützer, ohne deren Waffenlieferungen sie nicht hätte widerstehen können. Eine plausible bzw. realistische Antwort auf diese Frage wird sich bei aller Unwägbarkeit hinsichtlich eines tatsächlichen Verhaltens Russlands maßgeblich auf die Bereitschaft oder Ablehnung des Westens zu weiteren wirkungsvollen Waffenlieferungen auswirken. Diese Antwort muß nach gründlicher Analyse trotz aller Unwägbarkeiten im russischen Verhalten früher oder später gegeben werden.

Zweck-Ziel-Mittel-Relation für die Ukraine

Die Ukraine sieht in ihrem Abwehrkampf gegen den Aggressor nur einen Zweck: Die Wiederherstellung ihrer territorialen Integrität. Dazu verfolgt sie das Ziel, die russischen Verbände mit Waffengewalt aus dem Land zu vertreiben. Ihre Mittel sind allerdings begrenzt. Sie verfügt zwar über eine ausgezeichnet geführte Armee, ein erhebliches Waffenarsenal und eine sehr hohe Kampfmoral, ist aber auf Dauer aus eigener Kraft allein den überlegenen russischen Kräften wohl nicht gewachsen. Dennoch erschien die Möglichkeit, dass sie das Ziel erreichen könnte, bisher auch Dank massiver Unterstützung (zivil, humanitär, finanziell, politisch und militärisch) durch den Westen nicht aussichtslos. Die massiven und existenzbedrohenden russischen Raketen- und Drohnenangriffe auf die zivile Infrastruktur und auf zivile Wohngebiete und die festgefahrene Front im Donbas und im Süden des Landes erschweren es der ukrainischen Armee mittlerweile erheblich, mit ihren bisherigen militärischen Mitteln ihr Ziel zu erreichen. Sie braucht eine verstärkte Unterstützung mit noch wirkungsvolleren Waffen als bisher. Diese kann sie ausschließlich aus dem Westen (NATO und EU) erhalten, wo es allerdings um Qualität und Quantität dieser Waffen Diskussionen gibt. Möglichst rasch das Ziel auf dem Verhandlungswege anzustreben, wie nicht wenige Beobachter um des lieben Friedens willen vorschlagen, hält sie zur Zeit nicht für erfolgsversprechend. Sie fürchtet, wohl zu Recht, daß dieser Weg einer Kapitulation gleichkäme.

Reaktionen der Unterstützer der Ukraine

Alle westlichen und demokratischen Staaten sind sich im Großen und Ganzen darüber einig, dass mit dem völkerrechtswidrigen Einfall Russlands in die Ukraine am 24.02.2022 und durch die kriegsrechtswidrige Kriegsführung das bis dahin gültige europäische Sicherheitssystem, auch wenn es durch die russische Annexion der Halbinsel Krim und der östlichen Gebiete des Donbas im Jahre 2014 schon brüchig geworden war, nun endgültig zusammengebrochen ist. Sie sind sich auch darüber einig, dass, falls es Russland gelingt, die Ukraine an sich zu reißen, weitere ehemals russische Gebiete zu Angriffszielen werden, selbst wenn einige von ihnen heute fest in der NATO und in der EU integriert sind. Damit wäre der gesamte Westen durch die Aspirationen Russlands bedroht. Es ist daher unstrittig, dass der Westen auf diese Herausforderung reagieren muß. Allerdings herrscht auch Konsens, dass die westliche Allianz bei allen zu ergreifenden Maßnahmen niemals mit eigenen Truppen in das Geschehen eingreifen dürfe, um zu vermeiden, dass sie selbst zu einer aktiven Kriegspartei würde. In Deutschland ist die Angst, durch die Qualitätssteigerung der an die Ukraine gelieferten Waffen ungewollt in den Status der Kriegspartei hinein zu rutschen, besonders stark ausgeprägt. Dies erklärt ja dann auch die äußerste Vorsicht und Zurückhaltung der Bundesregierung.

Operationsziele und -mittel des Westens

Der Zweck aller vom Westen getroffenen Maßnahmen ist, dem Völkerrecht wieder zur Geltung zu verhelfen, die Ukraine vor ihrer Auslöschung zu bewahren und den Boden zu bereiten für eine neue europäische Friedensordnung.
Das Ziel des Westens ist, die Ukraine durch großzügige Unterstützung zu befähigen, sich erfolgreich zu verteidigen, ihre Unterjochung durch Russland abzuwehren, und durch seine Schwächung Russland zu ernsthaften Friedensverhandlungen zu drängen.

Die Mittel, zu denen der Westen gegriffen hat und noch greift sind sehr vielfältig.
Zunächst verständigte man sich auf sehr weitreichende Sanktionen gegen Russland, die allerdings ziemlich schmerzhafte Rückwirkungen auf diejenigen hatten, die die Sanktionen verhängt hatten. Manche Analysten sind sogar der Meinung, dass der Schaden für Russland viel geringer sei als für einen selbst. Das NATO- und EU-Mitglied Ungarn widersetzt sich daher auch energisch diesem Sanktionsregime. Darüberhinaus erwirkte man eine Verurteilung Russlands durch die UNO- Vollversammlung mit einer beeindruckender Mehrheit. Eine großangelegte direkte Unterstützung der Ukraine (finanziell, humanitär, technisch, politisch und vor allem militärisch) hat dann auch dazu geführt, dass die Ukraine bislang den überlegenen russischen Streitkräften standhalten konnte. Allerdings gibt es im westlichen Bündnis gerade bei der Bereitstellung von Waffen in quantitativer und qualitativer Hinsicht Differenzen. Deutschland spielt hierbei eine auffällige Sonderrolle. Der Bundeskanzler weigert sich interessanterweise bis heute auszusprechen, die Ukraine solle den Krieg gewinnen und Russland solle den Krieg verlieren. Er besteht darauf, die Ukraine dürfe den Krieg nicht verlieren und Russland dürfe den Krieg nicht gewinnen. Das sind kleine aber entscheidende Unterschiede in den Nuancen und geben zu allerhand Vermutungen Anlass. Offensichtlich will der Bundeskanzler die Beziehungen zu Russland nicht einfrieren, da er sich eine Nachkriegsordnung in guter sozialdemokratischer Tradition ohne konstruktive Zusammenarbeit mit Russland nicht vorstellen kann. Zwar hat die Bundesregierung allen Maßnahme-Beschlüssen des Westens zugestimmt, wenn es aber um konkrete Waffenlieferungen ging, hat sie nur sehr zögerlich und auch nur auf Druck der Verbündeten reagiert. Begründungen für dieses Verhalten hat der Bundeskanzler nie gegeben. Auf drängende Fragen hin hieß es stereotyp, man wolle nicht eskalieren, handle bedacht und mache keine deutschen Alleingänge. Außerdem liefere man ja, was nötig sei. Was aber unter „nötig“ zu verstehen sei, wurde nie konkretisiert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass manche Analysten den Verdacht äußern, die Bundesregierung verfolge eine eigene Agenda.

Wenn es bei den Waffenlieferungen, die ja in direkter Korrelation zu den Zielen stehen, unterschiedliche Meinungen gibt, so stimmen auch die Ziele nicht 100%ig überein.
Bevor also über bestimmte Mittel der Unterstützungsleistung durch den Westen und damit auch durch Deutschland, diskutiert wird (im aktuellen Fall über die Lieferung von Kampfflugzeugen), sollte Einigkeit über ihren Zweck und die davon abgeleitete Zielsetzung herrschen. Hierbei besteht innerhalb der NATO und der EU aber offensichtlich noch erheblicher Konkretisierungsbedarf, und hier sollte die Debatte ansetzen. Es besteht nämlich beispielsweise durchaus bisher kein Konsens darüber, ob Russland gezwungen werden soll, alle besetzten Gebiete einschließlich der Krim zu räumen, oder ob es sich lediglich auf den Stand vom 23.02 2022 zurückziehen sollte. Einige Meinungen gehen sogar so weit, es sollten Russland die gegenwärtig besetzen Gebiete überlassen werden und auf dieser Basis sollte man dann in umgehende Waffenstillstands- und Friedensverhandlungen eintreten, also den Krieg einfrieren und ein lang anhaltendes Menetekel in Kauf nehmen. Es ist auch ein Unterschied, ob man Russland ein „gesichtswahrendes“ Verhandlungsangebot unter Berücksichtigung seiner subjektiven Sicherheitsinteressen machen will (Macron), oder ob man von ihm fordert, die völlige territoriale Integrität der Ukraine anzuerkennen und auf den Anspruch einer vorgelagerten „Sicherheitszone“ zu verzichten. Erst wenn Zweck und Ziel des Handelns zweifelsfrei, verbindlich und vor allem einvernehmlich geklärt sind, können die adäquat anzuwendenden Mittel diskutiert werden, denn die letzteren sind von den ersteren abhängig und müssen an sie angepasst werden.

Schluß

Die stereotype Feststellung westlicher Politiker, dass der Zeitpunkt und die Bedingungen für Verhandlungsangebote an Russland ausschließlich Angelegenheit der Ukraine seien, ist wohlfeil. Mittels überlegter quantitativer Dosierung und mittels qualitativer Auswahl der gelieferten Waffen wird sehr wohl massiver Einfluß auf die Entscheidungsfindung der ukrainischen Führung genommen. Auch der jeweils gewählte Zeitpunkt der Lieferungen ist ein wirksames Steuerungsinstrument. Es stellt sich nämlich beispielsweise die bange Frage, ob die zugesagte Lieferung von Kampfpanzern nicht absichtlich so lange verschleppt wurde, bis die Panzer eventuell zu spät zum Einsatz kommen und für die Ukraine nur noch bedingt von Nutzen sind.

Angst vor dem Atomkrieg

In regelmäßigen Abständen droht Wladimir Putin gegenüber dem Westen mit dem Einsatz von Atomwaffen. Sind diese Drohungen ernst zu nehmen, oder dienen sie nur der Einschüchterung? anbei wird eine Meinung paraphrasiert.

Der Westen und die Angst vor dem Aggressor

Insbesondere in Deutschland ist die Angst, Präsident Putin könnte, wenn er zu sehr provoziert werde, taktische Atomwaffen zum Einsatz bringen, sehr stark ausgeprägt. Der Bundeskanzler Scholz hat seine zögerliche Haltung bei der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine auch damit begründet (keine Eskalation!). Die Drohung mit atomaren Waffen haben Putin und seine Marktschreier wie etwa Dimitrij Medwedew wiederholt ausgestoßen, um den Westen einzuschüchtern und von der Aufrüstung der Ukraine abzuhalten. Im Verlauf der Zeit haben diese Drohungen an Wirkung nachgelassen und flammen jetzt im Zusammenhang mit der überhitzten Debatte um die Lieferung der Marschflugkörper Tauris erneut auf. Die jüngste heftige Kontroverse zwischen dem französischen Präsidenten und dem deutsche Bundeskanzler ob der Westen sich die Option zum Einsatz eigener Truppen in der Ukraine unter bestimmten Voraussetzungen offen halten sollte oder nicht, hat natürlich Putin ermuntert, seine konfrontative Rhetorik zu verschärfen.

Der ehemalige russische Diplomat Boris Bodnarew hat zu diesem Sachverhalt in der in Moskau erscheinenden unabhängigen und englischsprachigen Internet-Zeitung „The Moscow Times“ in bemerkenswerter Weise Stellung bezogen:

„Ist Wladimir Putin bereit, taktische Atomwaffen einzusetzen?

In seiner Ansprache vor dem Föderationsrat kehrte Wladimir Putin nach einer kurzen Pause zur harschen Atomrhetorik zurück und drohte Europa. Am Tag zuvor erschien in der Financial Times ein Szenario für den Einsatz russischer Atomwaffen.

Die Veröffentlichung zitiert geheime Dokumente, die die Methoden und die Wahrscheinlichkeit des Einsatzes taktischer Atomwaffen durch russische Truppen beschreiben. Die Dokumente sind alt, sie sprechen von einem hypothetischen Konflikt mit China. Allerdings wirft diese Veröffentlichung für uns neue Fragen auf.

Erstens wurde erneut bestätigt, dass der Einsatz taktischer Atomwaffen (TNW=Thermonukleare Waffen) von der derzeitigen militärischen und politischen Führung Russlands als völlig akzeptables Instrument zur Bekämpfung überlegener feindlicher Kräfte angesehen wird. Im Gegensatz zu strategischen Atomwaffen sind taktische Atomwaffen dazu bestimmt, militärische Ziele und feindliche Streitkräfte im Einsatzgebiet anzugreifen.

Zweitens unterstreicht es die Bereitschaft Moskaus, zu extremen Maßnahmen zu greifen, um seine strategischen Ziele zu erreichen, insbesondere in Situationen, in denen konventionelle Streitkräfte nicht in der Lage sind, militärischen Druck einzudämmen oder abzuwehren. Es ist nicht verwunderlich, dass das sogenannte „nukleare Tabu“, also das nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene informelle Verständnis der Unzulässigkeit des Einsatzes von Atomwaffen auf dem Schlachtfeld, zunehmendem Druck seitens russischer „Falken“ ausgesetzt ist. Diese sind bereit, der heimtückischen NATO eine weitere Kuzkin-Mutter (in etwa „Stinkefinger“) zu zeigen.

Die Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen liegt ausschließlich in der Zuständigkeit des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Dieser Ansatz erhöht sicherlich die Unvorhersehbarkeit der russischen Nuklearstrategie und erschwert die internationalen Bemühungen zur Eindämmung und Verhinderung eines nuklearen Konflikts.

Nach der Reaktion westlicher Experten zu urteilen, sind bestimmte Parameter und Schwellenbewertungen für den Einsatz taktischer Atomwaffen zwingend erforderlich. Es gilt als Axiom, dass die Zulässigkeit und Rechtfertigung des hypothetischen Einsatzes taktischer Atomwaffen beispielsweise während des Krieges in der Ukraine von Moskau im Einklang mit einer Doktrin und anderen formalisierten Richtlinien geprüft wird. Das stimmt natürlich leider nicht mehr .

Es ist wichtig zu verstehen, dass Wladimir Putin die Entscheidung über den Einsatz von Atomwaffen auf der Grundlage seiner eigenen Sicht der Lage und Einschätzung der Lage treffen wird und nicht auf der Grundlage offiziell genehmigter Dokumente und Anweisungen handelt. Die Erfahrung zeigt, dass Wladimir Putin sich häufig von Überlegungen leiten lässt, die weit von der Realität entfernt sind. Wir können daher die Möglichkeit des Einsatzes taktischer Atomwaffen in einer Situation nicht ausschließen, in der dies nach Meinung eines externen Beobachters vollständig hätte vermieden werden können.
Es ist unwahrscheinlich, dass Putin verlangen wird, ihm ein Exemplar der „Grundlagen der Staatspolitik im Bereich der nuklearen Abschreckung 2020“ zu bringen, dort nach den richtigen Gründen suchen, sie nicht finden und mit einem Seufzer sagen wird: ‚Das will ich zwar (Kiew oder Warschau angreifen), aber ich kann nicht. Die Lehre erlaubt es nicht.‘ Natürlich werden sich weder der Präsident noch die Militärführung im richtigen Moment nach irgendwelche doktrinären Leitlinien richten, sondern werden sich (ihrer Meinung nach) von rein praktischen Erwägungen leiten lassen.
Leider müssen wir annehmen, dass der Befehl zum Atomschlag bei der Armee wahrscheinlich keine Empörung hervorrufen wird, denn es gibt in den Reihen der russischen Streitkräfte wohl kaum noch besonnene Offiziere. Und die überwältigende Mehrheit derjenigen, die einen solchen Befehl erhalten, werden ihn nicht nur ohne Einwände, sondern auch mit unverhohlener Begeisterung ausführen – in den sowjetischen und russischen Armeen wurde seit jeher ein tiefer Hass auf den Westen gepflegt. Heute wird dies durch die gleiche Haltung gegenüber der Ukraine ergänzt.
All dies verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, dass die NATO-Staaten eine angemessene Reaktion auf den möglichen Einsatz taktischer und insbesondere strategischer Atomwaffen durch Russland entwickeln. Gleichzeitig provoziert die Politik, eine solche Reaktion auf jede erdenkliche Weise zu vermeiden und die eigene Angst vor einer „Eskalation“ zu demonstrieren, den Angreifer zu neuen Bedrohungen. Appetit kommt bekanntlich mit dem Essen.
In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, warum diese Dokumente zu diesem Zeitpunkt von ungenannten Quellen der amerikanischen Presse vorgelegt wurden. Gibt es hier einen weiteren Versuch, eine schwache Politik gegenüber dem Aggressor und unzureichende Unterstützung für die Ukraine zu rechtfertigen?
Die Geschichte zeigt jedoch, dass die Beschwichtigung und Besänftigung des Angreifers keinen verlässlichen Frieden bringt.
Frieden kann nur durch die Bereitschaft gewährleistet werden, ihn mit Waffen in der Hand zu verteidigen. ‚Wenn du Frieden willst, bereite dich auf den Krieg vor‘, sagten die Römer. Und wenn die Europäer in den letzten Jahrhunderten die Lehren aus der römischen Geschichte vergessen haben sollten, dann müssen sie für diese „Vergesslichkeit“ büssen, wie sie es auch schon in den späten 30er Jahren des 20. Jahrhunderts tun mussten. Der Westen wendet zwar viel Geld und Technologie auf, wenn er aber weiterhin an Geld und Waffen für die Ukraine spart, wird er früher oder später mit dem Leben seiner eigenen Bürger bezahlen müssen. Er kann allerdings jederzeit auch kapitulieren. Es gibt auch solche Erfahrungen, und offenbar ist es diese Erfahrung, die eine Reihe westlicher Politiker leitet“.

Der Sarkasmus des Autors ist nicht zu übersehen.

Allerdings gibt es tatsächlich im westlichen Bündnis gerade bei der Bereitstellung von Waffen in quantitativer und qualitativer Hinsicht erhebliche Differenzen. Deutschland spielt hierbei eine auffällige Sonderrolle. Der Bundeskanzler weigert sich interessanterweise bis heute auszusprechen, die Ukraine solle den Krieg gewinnen und Russland solle den Krieg verlieren. Er besteht darauf, die Ukraine dürfe den Krieg nicht verlieren und Russland dürfe den Krieg nicht gewinnen. Das sind kleine aber entscheidende Unterschiede in den Nuancen und geben zu allerhand Vermutungen Anlass. Offensichtlich will der Bundeskanzler die Beziehungen zu Russland nicht einfrieren, da er sich eine Nachkriegsordnung in guter sozialdemokratischer Tradition ohne konstruktive Zusammenarbeit mit Russland nicht vorstellen kann. Zwar hat die Bundesregierung allen Maßnahme-Beschlüssen des Westens zugestimmt und die Ukraine auch in erheblichem Umfang unterstützt, wenn es aber um konkrete Lieferungen schwerer Waffen ging, hat sie nur sehr zögerlich und auch nur auf Druck der Verbündeten reagiert. Begründungen für dieses Verhalten hat der Bundeskanzler nie gegeben. Er hat immer nur stereotyp andeutungsweise beschworen, man wolle deutscherseits keine Alleingänge unternehmen, mit den Lieferungen keine Eskalation des Krieges beflügeln und die Atommacht Russland nicht bis zum Äussersten reizen. Außerdem liefere man ja, was nötig sei. Was aber unter „nötig“ zu verstehen sei, wurde nie konkretisiert. Es ist daher nicht verwunderlich, dass manche Analysten den Verdacht äußern, die Bundesregierung verfolge eine eigene Agenda. Die in der Bevölkerung weit verbreitete Angst vor einem Atomkrieg wurde sicher auch von Scholz selbst maßgeblich befördert durch seine immer wieder öffentlich zelebrierte eigene Angst vor einem Atomkrieg.

Die mantraartige Feststellung westlicher Politiker, dass der Zeitpunkt und die Bedingungen für Verhandlungsangebote an Russland ausschließlich Angelegenheit der Ukraine seien, ist wohlfeil. Mittels überlegter quantitativer Dosierung und mittels qualitativer Auswahl der gelieferten Waffen wird sehr wohl massiver Einfluß auf die Entscheidungsfindung der ukrainischen Führung genommen. Auch der jeweils gewählte Zeitpunkt der Lieferungen ist ein wirksames Steuerungsinstrument. Es stellt sich nämlich beispielsweise die bange Frage, ob die letztendlich zugesagte Lieferung von Kampfpanzern nicht absichtlich so lange verschleppt wurde, bis die Panzer eventuell zu spät zum Einsatz kommen und für die Ukraine nur noch bedingt von Nutzen sind. Und wie steht es mit den sehr wirkungsvollen und für die Ukraine sehr wichtigen Marschflugkörpern Taurus? Eine offene Frage!

Die ganze Dilemma macht deutlich, dass es höchste Zeit ist, dass der gesamte Westen (einschließlich Deutschland) endlich zu einem Konsens über die Clausewitzsche „Zweck-Ziel- Mittel-Relation“ gelangen muß. D.h. man muss sich klar darüber einigen, was man gemeinsam in der Ukraine bezweckt, dann ein klares Ziel definieren und schließlich sich verständigen, welche Mittel (insbesondere Waffen) man zur Erreichung des Zweckes und des Zieles bereit und in der Lage ist, anzuwenden. Schließlich sollte der Westen auch aufhören, auf Eskalationen Russlands immer nur zu reagieren, sondern sollte dazu übergehen, selbst rote Linien zu setzen und so in die Vorhand zu gelangen. Eine immer wieder von russischer Seite instrumentalisierte Atomkriegsangst sollte überwunden werden. Sie wirkt lähmend und Putin weiß das.

Bessarabien, der ewige Spielball

Kürzlich hat die illegale sogenannte Regierung des abtrünnigen moldauischen Gebiets Transnistrien Russland offiziell um Hilfe gegen die Republik Moldau ersucht. Damit rückt Bessarabien wieder einmal in den internationalen Focus. Eine offizielle oder gar militärische Reaktion Putins gibt es noch nicht. Aber es ist einen neue Front ins Visier genommen.

Bessarabien, der ewige Spielball

Das kleine und arme Land, die heutige Republik Moldau (im Volksmund Moldawien genannt), hat eine wechselvolle und tragische Geschichte. Sein historischer Name ist Bessarabien, ein zwischen dem Pruth und dem Dnjester gelegener Landstrich.

Der Name Bessarabien wurde nach türkischer Gepflogenheit zunächst auf das Donaufürstentum Walachei (Muntenien) angewandt, und zwar nach der lange herrschenden Fürstenfamilie Basarab. Das Donaufürstentum Moldau wurde lange Zeit nach seinem Gründer Bogdan Bogdanien genannt.

Später und zum ersten Mal erscheint der Name Bessarabien im Frieden von Kütschük-Kainardschi (27. Juli 1774) als eigenständiger Begriff neben Moldau und Walachei bezogen auf das heute zur Ukraine gehörige Südbessarabien mit der geografischen Bezeichnung Buceag. Zum zweiten Mal erscheint er im Friedensvertrag von Jassy (09.01.1792). Im Friedensvertrag von Bukarest (18.05.1812) wird der Name nicht genannt, sondern es wird lapidar gesagt, dass der Pruth in Zukunft die Grenze zwischen dem russischen und dem türkischen Reich bilden solle. Das Fürstentum Moldau, das dadurch geteilt wurde, stand zu dem damaligen Zeitpunkt unter türkischer Suzeränität. Die abgetretenen bzw. einverleibten Gebiete werden zwar im Vertrag nicht namentlich benannt, aber der Name Bessarabien wurde seither allenthalben geläufig.

Eine selbständige Geschichte hat Bessarabien bis zum Zerfall der Sowjetunion Ende 1991 nie gehabt. Als östlicher Teil des Donaufürstentums Moldau war es immer ein Spielball seiner mächtigeren Nachbarn (Königreich Ungarn, Osmanisches Reich, Polen- Litauen, Russisches Reich, Rumänien, Sowjet-Union).

Im 12. und 13. Jahrhundert bildeten sich im Schatten der tatarischen Goldenen Horde östlich der Karpaten mehrere zunächst ethnisch nicht genau konturierte „Banat“-Herrschaften (Knesate), die mit massiver ungarischer Unterstützung und durch verstärkten Zuzug aus der rumänisch besiedelten Maramures zunehmend romanisiert wurden. Um 1360 eroberte und vereinigte der Regionalfürst der Maramures Bogdan mit ungarischer Hilfe diese „Streuherrschaften“ und schuf dadurch das Fürstentum Moldau, das seine Macht über den Pruth hinaus mit offenen Grenzen nach Osten ausdehnte. In der Folgezeit stand das Fürstentum immer im Schatten der mächtigeren Nachbarn und musste wiederholt Bessarabien teilweise oder ganz abtreten. 1812 bis 1918 gehörte es zum russischen Reich. Nach dem ersten Weltkrieg gelangte es Gänze an das auf der Siegerseite stehende Königreich Rumänien.

In Bessarabien verfolgte Russland eine Kolonisierungspolitik, die die Einwanderung von Russen, Ukrainern, Bulgaren, Deutschen, Juden und Gagausen – einem turksprachigen Volk mit orthodox- christlichem Glauben – in die Provinz förderte. Um 1900 hatte sich Bessarabien, dessen Bevölkerung im Jahr 1812 mehrheitlich rumänischsprachig war, in eine ethnisch vielfältige Provinz verwandelt. Die Russifizierungspolitik stellte sicher, dass fortan die russische Sprache und Kultur in Bessarabien vorherrschten.

Das zwanzigste Jahrhundert: Bessarabien zwischen der Sowjetunion und Rumänien

Nach der Russischen Revolution 1917 drohte die neue unabhängige Ukraine, die aufgrund der in Bessarabien lebenden großen ukrainischen Bevölkerungsgruppe Ansprüche auf die Provinz erhob, Bessarabien mit der Annektierung. Als Reaktion darauf erklärte zunächst die bessarabische Führung im Januar 1918 die Provinz zur Unabhängigen Demokratischen Republik Moldau, aber die militärische und wirtschaftliche Schwäche sowie der anhaltende Druck aus der Ukraine führten im März des gleichen Jahres zur Vereinigung der Republik mit Rumänien. Diese Vereinigung wurde dann 1919 in der Friedensregelung von Paris bestätigt. Die rumänische Regierung war in der Zwischenkriegszeit nicht in der Lage, Bessarabien (wie die Provinz erneut genannt wurde) voll in den rumänischen Staat zu integrieren, da nur etwa 56% der drei Millionen Menschen umfassenden bessarabischen Bevölkerung rumänisch sprechende Moldauer waren. Insbesondere die ethnischen Minderheiten blieben unerschütterlich russischsprachig und russophil.

Die Sowjetunion hatte zwar auf Bessarabien verzichten müssen erhielt jedoch den Rechtsanspruch aufrecht, indem sie 1924 östlich des Dnjester (etwas größer als die illegale heutige Republik Transnistrien) eine autonome sozialistische Republik Moldau innerhalb der Sozialistischen Sowjetrepublik Ukraine bildete.

Im Juni 1940 akzeptierte die rumänische Regierung infolge des Hitler-Stalin-Pakts vom August 1939 notgedrungen die Forderung der Sowjetunion nach Abtretung Bessarabiens, das fortan Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik (MSSR) genannt wurde. Stalin sprach den nördlichen und südlichen Teil der MSSR, die beträchtliche ukrainische Bevölkerungsanteile hatten, der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik zu. Der Rest der MSSR wurde mit einem schmalen Streifen der MASSR am linken Dnister-Ufer vereint; dieses Gebiet bildet das heutige Transnistrien. Im Zuge dieser regional-politischen Neugestaltung wurden die annähernd 100.000 Deutschen ins Deutsche Reich bzw. in den polnischen Wartegau umgesiedelt. 1941 wurde die MSSR von der rumänischen Armee erobert und erneut mit Rumänien zusammengelegt. Die Rumänen dehnten ihren Herrschaftsbereich nun auch weiter nach Osten aus und errichteten zwischen dem Dnjester und dem Bug unter Einbeziehung der bedeutenden Hafenstadt Odessa das Gouvernement Transnistrien. Dieses Transnistrien erlangte einen unrühmlichen Ruf dadurch, dass der Staatsführer Antonescu ca. 185.000 Juden, die die vorausgegangenen Massacker in der Bukowina und in Bessarabien überlebt hatten, und ca. 25.000 moldauische Zigeuner dorthin deportieren und in Lager einpferchen ließ. Mehr als die Hälfte von ihnen fanden einen jämmerlichen Tod durch Hunger, Erschöpfung und durch Seuchen. 1944 fiel das gesamte Gebiet in die Hände der Roten Armee und wurde wieder ein Teil der Sowjetunion. Die wiedergeschaffene MSSR erlangte die gleiche Ausdehnung wie im Juni 1940.

Nach dem Krieg förderten die sowjetischen Behörden die Einwanderung von Russen und Ukrainern in die MSSR. Die höhere Geburtenrate unter den Moldauern sorgte jedoch dafür, dass die ethnisch moldauische Bevölkerung im Jahr 1989 insgesamt 64% der Gesamtbevölkerung der MSSR ausmachte. Aber Ukrainer und Russen dominierten in der Kommunistischen Partei und der staatlich gelenkten Wirtschaft. Die wenigen Moldauer, die eine bedeutende Position erreichten, kamen fast alle von der transnistrischen Seite des Dnjester.

Transnistrien war innerhalb der MSSR wirtschaftlich und politisch von großer Bedeutung. Ein Drittel der Industrieproduktion und 90% der Energieproduktion der Republik kamen aus Transnistrien (Die Energieversorgung des heutigen Moldawien ist immer noch abhängig von Transnistrien). Auch strategisch war Transnistrien äußerst wichtig für die militärischen Fähigkeiten der Sowjetunion während des Kalten Krieges. Von 1956 an war die 14. sowjetische Armee dort stationiert. Im Kriegsfall sollte sie in den Balkan, in Griechenland und in die Türkei einmarschieren. In der Nähe von Tiraspol wurde ein Militärflughafen gebaut, und die in der Stadt entstehenden Industrien verwandelten Transnistrien in einen Hauptlieferanten von Waffen und technischer Ausrüstung für das sowjetische Militär.

In der MSSR herrschten die russische Sprache und Kultur vor. Das Erlernen der „moldauischen“ Sprache – wie die rumänische Sprache bezeichnet wurde – war in Schulen nicht obligatorisch. In landwirtschaftlichen und schlecht bezahlten Arbeitsverhältnissen fand man eher Moldauer als Russen und Ukrainer. Angesichts dieser Situation wuchs in den 1980er Jahren unter den ethnischen Moldauern der Groll. Darüber hinaus erlebte die Republik schwere Wirtschafts- und Umweltkrisen, und ihre politischen Führer waren in Korruption verstrickt. Michail Gorbatschows Reformagenda in der Sowjetunion der späten 1980er Jahre machte den Reformwilligen in der MSSR Mut.

Die 1989 gegründete Moldauische Volksfront strebte die Souveränität für Moldawien an und forderte die Verwendung der moldauischen Sprache als Amtssprache ein. Viele ihrer Mitglieder befürworteten die Vereinigung mit Rumänien. Die Volksfront gewann 1990 die Wahlen und machte somit den kommunistischen Machtanspruch zunichte. Im April übernahm die Regierung die Flagge des rumänischen Nachbarlandes mit den vertikalen blau-gelb-roten Streifen als Nationalflagge. Hinzugefügt wurde ein römischer Adler, der den Auerochsenkopf auf der Brust trug – das heraldische Symbol des mittelalterlichen Fürstentums Moldau.
Die pro-rumänische Politik der Volksfront löste unter der russischsprachigen Bevölkerung der MSSR eine Gegenreaktion aus. Die im Süden der MSSR lebenden Gagausen riefen im August 1990 die Gagausische Sozialistische Sowjetrepublik aus, die später die Bezeichnung Gagauz Yeri oder Gagausien trug. Heute ist sie das „Autonome Gebiet Gagausien“. Im darauffolgenden Monat gab die transnistrische Führung die Gründung einer Sozialistischen Dnjester-Sowjetrepublik als Bestandteil der Sowjetunion bekannt. Im Mai 1991 wurde die MSSR in Republik Moldau umbenannt und erklärte am 27. August ihre Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Am 1. Dezember wurde die Sozialistische Dnjester-Sowjetrepublik in Moldauische Dnjester-Republik umbenannt und erklärte wiederum ihre Unabhängigkeit von der Republik Moldau. Dies löste militärische Auseinandersetzungen zwischen den Separatisten und der Zentralregierung aus, die im Sommer 1992 zu einem umfassenden Krieg eskalierten. Auf beiden Seiten kämpften auch Freiwillige aus anderen Ländern, auf moldauischer Seite zumeist Rumänen, während Transnistrien durch Freiwillige aus Russland und der Ukraine unterstützt wurde. Moldawien verlor im Laufe des Konflikts endgültig die Kontrolle über Transnistrien.Als im Juli der Waffenstillstand geschlossen wurde, waren in diesem Konflikt, den die Transnistrier mit der Unterstützung der 14. sowjetischen Armee gewonnen hatten, 500 Menschen zu Tode gekommen. Oberkommandierender der russischen Armee war zu diesem Zeitpunkt der General Alexander Lebed, der den Afghanistan-Krieg brillant beendet hatte und seither sehr populär war. Dass am 09.04.1989 unter seinem Kommando Fallschirmjäger eine gewaltlose Demonstration vor dem Parlamentsgebäude in Tiflis aufgelöst hatten, wobei 20 Georgier getötet und Hunderte verletzt worden waren, war schon vergessen. Der Vorfall hatte allerdings seinerzeit zu starken Spannungen in Georgien geführt und war einer der Auslöser für die Unabhängigkeitserklärung der Kaukasusrepublik im Jahre 1991 gewesen. Lebed wurde Ende der 90er Jahre als Sekretär des Sicherheitsrates zu einer der beliebtesten Persönlichkeiten, war für viele eine große Hoffnung und galt als aussichtsreicher Präsidentenkandidat. In dieser Funktion handelte er auch im August 1996 das Friedensabkommen von aus, mit dem der Erste Tschetschenienkrieg beendet wurde (hierfür erhielt er 1998 den ). Wohl auf Betreiben politischer Rivalen degradierte ihn daraufhin der Präsident und ließ ihn zum Gouverneur von Krasnojarsk wählen. Wladimir Putin nannte das Abkommen später einen „Betrug an Russland“ und äußerte sich verächtlich über den General. Im April 2002 kam er durch einen mysteriösen Hubschrauberabsturz ums Leben.
Nachdem die Separatisten östlich des Dnjester die Macht übernommen hatten, schwand die Unterstützung für die Volksfront im Rest der Republik Moldau. Nach den 1994er Wahlen übernahm die Agrardemokratische Partei die Regierung. Die meisten ihrer Mitglieder unter Führung des Präsidenten Mircea Snegur waren Reformkommunisten, die eine Vereinigung mit Rumänien ablehnten und sich für die Beibehaltung wirtschaftlicher Beziehungen zu Russland aussprachen. Bei einem nachfolgenden Referendum stimmten 90% der moldauischen Bevölkerung für die Unabhängigkeit. Zu den Gründen für die nachlassende Unterstützung der Vereinigung mit Rumänien gehörten die akuten politischen und wirtschaftlichen Probleme Rumäniens in den frühen 1990er Jahren. Dennoch gibt es bis zum heutigen Tag in der moldauischen Gesellschaft eine gut organisierte und sehr präsente pro-rumänische Bewegung.

Das einundzwanzigste Jahrhundert: Moldawien zwischen Russland und dem Westen

Mit der durch die Auflösung der Sowjetunion bedingten und durch die russische Finanzkrise im Jahr 1998 verschärften wirtschaftlichen Krise fand sich Moldawien in der wenig beneidenswerten Position des ärmsten Landes Europas. Die Partei der Kommunisten der Republik Moldau (PCRM) gelangte 2001 unter der Führung von Wladimir Woronin an die Macht. Die Anziehungskraft der Partei erwuchs aus der Sehnsucht der Menschen nach der scheinbaren Stabilität der Sowjetunion und ihrer staatlich gelenkten Wirtschaft. Die PCRM versprach nicht nur wirtschaftliche Stabilität, sondern auch die Stärkung des Status der russischen Sprache. Der PCRM nahestehende Intellektuelle trugen die gleichen Argumente wie die Sowjets im zwanzigsten Jahrhundert vor: das moldauische Volk und das rumänische Volk seien ethnisch und sprachlich verschieden; Moldawiens Platz sei an der Seite Russlands. Woronin war jedoch nicht in der Lage, eine Lösung für das Problem Transnistrien zu finden. Er beleidigte den russischen Präsidenten Wladimir Putin, indem er 2003 seine Zustimmung zum Kozak-Memorandum zurückzog, mit dem Russland vorgeschlagen hatte, aus Moldawien einen föderalen Staat mit umfangreichen Befugnissen für Transnistrien und Gagauz Yeri zu machen. In der Folge weigerte sich Putin, die russischen Truppen aus Transnistrien abzuziehen. Daher sind bis heute 1 500 bis 2.500 russische Soldaten in Transnistrien stationiert. Ausserdem wird das Cobasna-Munitionsdepot an der östlichen Grenze Transnistriens als eines der größten, wenn nicht sogar als das größte Munitionsdepot in Osteuropa bezeichnet und enthält bis zu 20.000 Tonnen Munition und Waffen aus der Sowjetzeit. In diesem Depot wurden die Munition und das kleinere Kriegsgerät, die nach 1990 aus der DDR und der Tschechoslowakei abtransportiert worden waren, gelagert. Allerdings sind mehr als die Hälfte der Munition aus dem Cobasna-Depot wohl abgelaufen und für die weitere Verwendung oder den Transport nicht mehr geeignet. Vermutlich können aber immerhin 7-8 Tausend Tonnen dieser Munition einsatzbereit sein.

Nachdem keine russische Unterstützung mehr zu erwarten war, propagierte Woronin bei den Wahlen im März 2005 die Integration in die EU als politisches Ziel; die PCRM ging aus dieser Wahl als Sieger hervor. Aber Russland konnte einen stärkeren wirtschaftlichen Hebel in Moldawien ansetzen als die EU. Das 2006 verhängte russische Embargo auf moldauische Weine und Agrarprodukte hatte schwerwiegende Konsequenzen zur Folge. Moldawien blieb nicht nur das ärmste Land in Europa, wobei mehr als ein Drittel des BIP aus den Geldtransfers von mehr als 300.000 im Ausland arbeitenden Moldauern stammte, das Land stand außerdem auf dem dritten Platz des weltweiten Korruptionsindex.
Im April 2009 wurden Neuwahlen angesetzt; die Wählerschaft war gespalten in diejenigen, die eine engere Anbindung an Russland wünschten, und diejenigen, die eine Integration in die EU anstrebten. Die PCRM gewann die Wahl, aber in den sozialen Medien rief die Opposition wegen angeblicher Fälschung der Ergebnisse zu Demonstrationen in Kischinev auf. Durch die im Verlauf dieser sogenannten „Twitter-Revolution“ ausbrechende Gewalt starben drei Menschen. Präsident Woronin beschuldigte die rumänische Regierung, einen Putsch organisiert zu haben, nachdem der rumänische Präsident Basescu versprochen hatte, die Gewährung der rumänischen Staatsbürgerschaft für Moldauer zu erleichtern.
Bei einer weiteren Wahl im Juli 2009 übernahm das Pro-EU-Bündnis für Europäische Integration die Macht. Nach der Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens mit der EU im Juni 2014, das der Republik Moldau zollfreien Zugang zum EU-Markt gewährte, verhängte Russland zur Strafe ein Embargo auf moldauische Produkte. Auch Transnistrien stellte weiterhin für die moldauische Regierung ein Problem dar. Nachdem Russland im März 2014 die Krim von der Ukraine abgetrennt und annektiert hatte, forderte die politische Führung Transnistriens die Aufnahme durch Russland. Die Russen taten ihr den Gefallen jedoch nicht.
Das Bündnis für Europäische Integration wurde 2014 durch einen Bankenskandal erschüttert: 12% des Bruttoinlandsprodukts waren aus den Banken gestohlen worden, aber die Regierung schaffte es nicht, die dafür Verantwortlichen vor Gericht zu bringen. Im Lauf der Jahre 2015 und 2016 fanden zahlreiche Anti-Regierungs- und Anti-Korruptionsdemonstrationen statt, während derer viele die Vereinigung mit Rumänien forderten, obwohl sich auch pro-russische Demonstranten unter die Menge mischten.
Igor Dodon, der pro-russische Führer der Partei der Sozialisten, gewann 2016 die Präsidentschaftswahl und versuchte, die wirtschaftlichen Beziehungen zu Russland zu normalisieren. Russlands bestehende Einfuhrverbote für moldauische Produkte hatten aber inzwischen zu einer Neuorientierung des Handels der Republik Moldau in Richtung EU geführt. Die nachfolgenden Parlamentswahlen spiegelten die noch immer bestehende Spaltung zwischen dem pro-russischen und dem pro-europäischen Lager wider. Die derzeitige Präsidentin ist die europafreundliche Politikerin Maia Sandu, die 2020 die Präsidentschaftswahl gewann. Sandus Aktions- und Solidaritätspartei stellt seit 2021 die Regierung.

Der Angriffskrieg auf die Ukraine: Ein Wendepunkt in der Geschichte Moldawiens?

Jahrzehnte hindurch schwankte die Republik Moldau zwischen Russland und Rumänien/der EU. Russlands Einmarsch in die benachbarte Ukraine im Februar 2022 könnte sich jedoch als entscheidender Moment herausstellen. Im März stellte die Sandu-Regierung einen förmlichen Beitrittsantrag in die EU. Meinungsumfragen zeigen unter der Bevölkerung eine 70%ige Zustimmung zum Beitritt. Etwa 40% der Befragten sprachen sich auch für eine Vereinigung mit Rumänien aus. Anfang April sagte die EU der Republik Moldau ein Hilfspaket zu, um die Folgen des Ukraine-Krieges und insbesondere die Flüchtlingskrise bewältigen zu können, und um die Energie-Abhängigkeit von Russland und Transnistrien zu beenden.

Angesichts der eigenen militärischen Schwäche und des ungelösten Problems der in Transnistrien stationierten russischen Truppen fürchten viele Moldauer einen russischen Angriff auf ihr Land. Am 22. April 2022 äußerte ein russischer General, Russlands Ziel sei es, die südliche Ukraine einzunehmen und somit einen Zugang zu Transnistrien zu gewinnen, wo – wie er behauptete – die russischsprachige Bevölkerung unterdrückt werde. Dies löste Befürchtungen aus, dass der Krieg in der Ukraine auf Moldawien übergreifen könnte. Einige Tage danach kam es zu unerklärlichen Explosionen in Transnistrien. Die moldauische Regierung lehnte in der Folge ein Angebot der Ukraine ab, das Problem durch eine Annektierung Transnistriens – das einmal zur sowjetischen Ukraine gehört hatte – zu lösen. Sowohl die EU als auch die amerikanische Regierung versprachen eine Verstärkung der militärischen Hilfe für die Republik Moldau. Am 20. Mai 2022 sagte die britische Außenministerin Liz Truss, dass Moldawien „nach NATO-Standards ausgerüstet“ werden müsse, um das Land vor russischer Aggression zu schützen.

Die Sandu-Regierung vollführt derzeit eine Gratwanderung. Einerseits begrüßt sie die Unterstützung der EU und anderer westlicher Länder, andererseits ist die Neutralität Moldawiens in außenpolitischen Angelegenheiten in der Verfassung von 1994 festgeschrieben. Die Politik Sandus ist für Russland offensichtlich eine Provokation. Dieses Empfinden wurde durch die kürzlich erfolgte Festnahme des früheren pro-russischen Präsidenten Igor Dodon wegen Korruptionsvorwürfen noch verstärkt. Es bleibt daher abzuwarten, ob die derzeitige Politik der moldauischen Regierung einen entscheidenden Wendepunkt in der geopolitischen Ausrichtung der Republik darstellt, oder ob es nur ein weiterer Pendelausschlag in einem Land ist, das von Russland aus historischen Gründen seinem Einflussbereich zugeordnet wird.

Umtriebe zum Sturz der Präsidentin Maia Sandu

Die demokratisch und europäisch gesinnte Präsidentin Maia Sandu und ihre Regierung haben zwar eine stabile Mehrheit, stehen aber unter russischem „Dauerfeuer“ und mussten sich darüberhinaus diverser von Russland unterstützter Umsturzversuche und sogar mehrerer Anschlagsversuche erwehren. Die erbittertsten Gegner sind zwei extrem korrupte Oligarchen, die sich beide der Strafverfolgung durch Flucht entzogen haben, der eine nach Israel, der andere in die Türkei und von dort mit ihrem ungeheuren, ergaunerten Vermögen in die Innen- und Außenpolitik des Landes eingreifen. Es handelt sich zum einen um den Finanzjongleur Ilan Schor, der neben anderen Korruptionsvergehen 2014 die moldawischen Banken um knapp eine Milliarde Dollar bestohlen hat und dadurch nicht nur diese Banken ruiniert hat, sondern auch den Staatshaushalt in Bedrängnis brachte. Der Strafverfolgung entzog er sich durch Flucht in sein Geburtsland Israel, was ihn aber nicht daran hindert, weiter die Fäden in der von ihm gegründeten Parlamentspartei SHOR zu ziehen. Er finanzierte auch die seit Januar 2023 stattfindenden heftigen Proteste gegen die Regierung und die prorussischen Umtriebe in Gagausien. Außerdem betreibt er im ganzen Land eine aggressive antiwestliche und prorussische Propaganda. Angeblich hat ihn Wladimir Putin im Falle eines geglückten Putsches in Kischinev schon als seinen Statthalter in Moldawien auserkoren. Der zweite flüchtige Oligarch ist Vlad Plahotniuc, der an dem Bankenbetrug von 2014 beteiligt war, aber über noch mehr kriminelle und gewinnbringende Netzwerke verfügt als Schor. Er galt mit 2,5 Milliarden Dollar als der reichste Mann Moldawiens. So fiel es ihm auch leicht, eine politische Partei kurzerhand zu kaufen und sich zu ihrem Vorsitzenden wählen zu lassen, nämlich der Demokratischen Partei Moldawiens (PDM). Er wurde auch Parlamentsmitglied, zog sich aber im Juni 2019 nach dem Sieg der PAS (Aktions- und Solidaritäts-Partei) von Maia Sandu aus der Pülotik zurück. Im März 2017 ließ er sich jedoch zum Vizepräsidenten der Sozialistische Internationale wählen. In dieser Eigenschaft plädierte er öffentlich für den Rückzug Russlands aus dem Donbas, was ihm die Todfeindschaft Russlands einbrachte. Die russische Reaktion blieb nicht aus. Am 26. Juni 2019, zwei Tage nach dem Rücktritt von Vlad Plahotniuk als PDM-Vorsitzender, wurde er von der Russischen Föderation beschuldigt, im großen Stil und durch ein riesiges Netzwerk in Nordafrika über die Europäische Union und in der GUS einschließlich der Russischen Föderation mit Drogen gehandelt zu haben. Mittlerweile wird ihm auch seitens der Republik Moldau die Gründung einer kriminellen Vereinigung, Erpressung, Betrug und Geldwäsche vorgeworfen, und er ist auf die internationale Fahndungsliste gesetzt werden. Anscheinend sinnt er auf Rache, denn ein Teil der Umtriebe gegen die Regierung sollen auf sein Konto gehen. Ob er die Hoffnung hegt, dass durch ein politisches Comeback die Anschuldigungen gegen ihn fallengelassen werden, ist offen. Auf jeden Fall ist er mit seinen Netzwerken und seinen finanziellen Möglichkeiten für die amtierende Präsidentin nicht ungefährlich.
Die größte Gefahr für die moldawische Regierung geht jedoch von der Russischen Föderation aus. Der russische Präsident Wladimir Putin hat am 20.02.2023 ein in der Angelegenheit des eingefrorenen Transnistrien-Konflikts ausschlaggebendes Dekret aus dem Jahr 2012 annulliert. Das Präsidialdekret hatte festgelegt, dass eine endgültige Lösung des Konflikts um das seit 1990 von Moldawien abtrünnige Gebiet Transnistrien ausschließlich „unter Einhaltung der Souveränität, territorialen Integrität und Neutralität von Moldawien“ erfolgen könne.
Putins Beschluss erfolgt vor dem Hintergrund der jüngsten Forderung des neuen moldawischen Premierministers Dorin Recean nach einer „Demilitarisierung Transnistriens“ sowie des Abzugs der russischen Streitkräfte vor Ort. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow hatte den proeuropäischen Behörden in Chisinau deswegen erst am Montag „antirussische Hysterie“ vorgeworfen und diese verwarnt, künftig „besonnener“ mit ihren Forderungen zu sein.
Moldawische Sicherheitsbehörden berichten, dass mindestens zwei Anschlagsversuche auf die Präsidentin vom russischen Geheimdienst mit Geldern von Ilan Schor und mit gekauften Auftragskillern aus Tschetschenien und interessanterweise aus Serbien organisiert worden seien. Beweise gibt es dafür nicht. Wiederholte Drohungen von Dimitrij Medwedew und anderen putinnahen Claqueuren gegen Moldawien, falls das Land sich dem Westen zuneigen sollte, werfen ein klares Licht auf die russische Sicht der Dinge. Eine Tatsache scheint aber festzustehen: Russland wird alles ihm mögliche daran setzen, die Situation in Moldawien zu destabilisieren. Es ist nämlich traditionelle russische Taktik, an Russlands Peripherie schwelende Konflikte weiter zu schüren oder neue zu schaffen, um gegebenenfalls intervenieren zu können. Beispiele gibt es zuhauf, wie etwa: Tadschikistan-Kirgistan; Armenien-Aserbaidschan; Georgien-Südossetien- Abchasien.

Moldawien, Transnistrien, Gagausien
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Republik Moldau heute

Ein Wanderer zwischen den Welten

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Auf dem Weg zur Schäßburger Geschäftsstelle des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien sprach mich ein etwa 50-jähriger hochgewachsener und grau melierter Mann in akzentfreiem Deutsch an: „Guten Tag, Herr Dr. Scheerer, ich gratuliere Ihnen zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Schäßburg. Ich habe an der gestrigen Zeremonie teilgenommen, wollte Sie aber nicht stören, da Sie von so vielen Menschen und Journalisten umringt waren.“ Meine Verblüffung war so groß, dass mir nur ein paar formelhafte Dankesworte einfielen. „Mein Name ist Dinu Ionescu und ich hätte gerne mit Ihnen ein längeres Gespräch geführt, da ich Sie seit meiner Kindheit kenne. Leider bin ich aber im Augenblick sehr in Eile. Ich bin auf dem Weg zum Busbahnhof, wo mich meine Schwiegermutter erwartet, die im Rahmen einer Studienreise hier in Schäßburg gerade Station macht.“

So verabredeten wir uns für den nächsten Tag in einem Café in der Unterstadt. Den ganzen Tag rätselte ich, wer dieser Mann sein könnte und woher er mich kannte. Sein Name sagte mir nichts.
Am nächsten Tag trafen wir uns dann in dem verabredeten Café.

„Sie werden sich sicher nicht mehr an mich erinnern, aber ich kenne Sie seit ich 8 Jahre alt war. Als Sie bei meiner Großtante Victoria in der Intrarea Frumoasa nahe der Calea Victoriei in Bukarest wohnten, war ich sehr häufig dort, da meine Mutter gestorben war und mein Vater sich kaum um mich kümmerte. Meistens war ich mit meiner Tante Tatjana zusammen. Sie war damals 16 Jahre alt und beschäftigte sich immer sehr liebevoll mit mir. Wir alle beide haben Sie damals sehr bewundert. Auch meine Großtante und mein Großonkel Lulu Ionescu waren sehr angetan von Ihnen.“

Meine Zeit in Bukarest kam mir plötzlich sehr plastisch wieder in Erinnerung.
1967 hatte ich an der Universität Mainz eine Dissertation über die rumänischen Bauernaufstände vom Frühjahr 1907 angenommen und war ab da intensiv mit Archivstudien beschäftigt. 1968 hatte ich die einschlägigen Archive in Deutschland (Politisches Archiv des Auswärtigen Amtes in Bonn und Bundesarchiv in Koblenz) und Österreich (Haus-Hof-und Staatsarchiv in der neuen Hofburg sowie das Militärarchiv in der Stiftsgasse) durchforstet und wartete auf die Erlaubnis, die Staatsarchive in Bukarest und Jassy (Iasi) aufzusuchen. Nach mehreren Absagen erhielt ich zu meiner großen Überraschung vom damaligen deutschen Forschungsminister Gerhard Stoltenberg, an den ich mich gewandt hatte, die Mitteilung, dass ich nicht nur die Erlaubnis der rumänischen Behörden zum Archivbesuch in Bukarest und Jassy erhalten hätte, sondern sogar mit einem gut dotierten Stipendium der rumänischen Akademie der Wissenschaften im Austauschverfahren rechnen könne. Dies war nur möglich geworden, da sich Rumänien gerade auf Entspannungskurs befand und dem Wunsch des damaligen Bundesaussenministers der ersten großen Koalition in Bonn, Willy Brandt, nachkam, als erstes Ostblockland diplomatische Beziehungen mit der Bundesrepublik Deutschland aufzunehmen. Als ich in Bukarest eintraf, war ich von der Höhe des Stipendiums überrascht. Der Betrag war dem meines Austauschpartners angepasst. Dieser hatte ein Forschungsstipendium am Institut für Europäische Geschichte in Mainz und erhielt eine monatliche Zuwendung in Höhe von 800 DM, ein für rumänische Verhältnisse exorbitant hoher Betrag. Einquartiert wurde ich in einem luxuriösen Zimmer in der großzügigen Wohnung der Familie Ionescu. Meine Anlaufstelle, die Akademie der Wissenschaften, befand sich ganz in der Nähe, wie auch das historische Forschungsinstitut Nicolae Iorga, dem ich zur Betreuung und zur Koordinierung meiner Archivbesuche zugeordnet worden war.

Bei der Familie Ionescu habe ich mich von Anfang an sehr wohl gefühlt, und es dauerte nicht lange, bis ich voll integriert war. Herr Lulu (Vasile) Ionescu war der letzte Generaldirektor des rumänischen Rundfunks bis zum kommunistischen Umsturz und enger Vertrauter des Conducators (Führer) Ion Antonescu gewesen. Er war sogar Ohrenzeuge der dramatischen Ereignisse vom 23.08.1944 im Königspalast, die zu dessen Verhaftung und zum Frontwechsel des Landes geführt hatten. Wenig später wurde auch Ionescu verhaftet und zu lebenslanger Zwangsarbeit verurteilt. Im August 1964 kam er infolge einer allgemeinen Amnestie frei. Er kam nicht nur frei, sondern wurde sogar rehabilitiert. Die Wohnung wurde ihm zurückerstattet und er erhielt darüber hinaus die Erlaubnis, Untermieter aufzunehmen. Frau Ionescu war seine Sekretärin gewesen und war die einzige Person, die während des Prozesses und auch nach seiner Verurteilung Kontakt zu ihm gehalten und ihn mit den wenigen Möglichkeiten, die das Regime zuließ, unterstützt hatte. Nach seiner Freilassung hat er sie dann geheiratet. Eines Tages gab er mir seine handschriftlichen Lebenserinnerungen zu lesen, die für mich eine faszinierende Lektüre waren. Vor allem die Passagen über die Vorgänge vom 23.08.1944, die er in unmittelbarer Nähe der Akteure miterlebt hatte, beeindruckten mich sehr, zumal sie ein differenzierteres Urteil vermittelten, als die spätere Forschung überliefert hat. Wir beratschlagten lange, ob ich das Manuskript nicht über die Grenze schmuggeln und in Deutschland veröffentlichen solle. Eine Übersetzung ins Deutsche hatte ich vorsorglich schon angefertigt. Wir kamen schließlich zum Schluss, dass es doch zu gefährlich sei, denn Rumänien war trotz der außenpolitischen Lockerung doch ein rigider Zwangsstaat und die Securitate arbeitete auf Hochtouren. Auch hatte ich damals noch meine gesamte Verwandtschaft in Rumänien, und ich wollte sie nicht in Bedrängnis bringen, falls das Manuskript beim Grenzübertritt vielleicht doch entdeckt worden wäre. Jede Woche kam der Bruder des Hausherrn, Herr Titi Ionescu, zu Besuch. Er war trotz seines fortgeschrittenen Alters ein drahtiger Mann mit einer sonoren Stimme. Er war Berufsoffizier gewesen und sein letzte Verwendung war die eines Verbindungsoffiziers zu den deutschen Truppen. Auch er wurde später als glühender Verehrer des Marschalls Antonescu zu lebenslanger Haft verurteilt und im August 1964 wie sein Bruder begnadigt. Zur Familie gehörte auch die 16-jährige Tatjana, eine Nichte von Frau Ionescu. Sie war Halbwaise und ihr Vater, ein Rechtsanwalt, hatte wenig Zeit für sie. Was mir besonders an ihr gefiel, war ihre dauernde Fröhlichkeit und Freundlichkeit. Der kleine Dinu, an den ich mich jetzt wieder genau erinnerte, war eigentlich auch ein fröhlicher Junge, weinte jedoch still vor sich hin, wenn von seiner Mutter die Rede war. In solchen Augenblicken kümmerte sich Tatjana rührend um ihn. Wie ich nach einiger Zeit erfuhr, hatte sich seine Mutter vor über einem Jahr mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben genommen. Über seinen Vater wurde während meiner gesamten Anwesenheit in der Familie nicht gesprochen.

„ Sie sind also der kleine Dinu! Jetzt erinnere ich mich wieder ganz genau an Sie. Erzählen Sie mir bitte von sich! Ich bin ganz neugierig.“

„Mein Großvater Ovidiu Ionescu war ein bekannter Bukarester Arzt und wie seine wesentlich jüngeren Brüder Lulu und Titi ein glühender Verehrer von Ion Antonescu, den er auch mehrfach ärztlich betreut hat. Meine Großmutter war eine Nichte des Fürsten Stirbei und gehörte demnach zum rumänischen Hochadel. Sie hatten drei Kinder: meinen Vater Traian und zwei Töchter, Tante Zoe und Tante Elena. Die Tanten habe ich nie kennengelernt, denn sie starben beide Ende der 50-er Jahre, die eine an Leukämie, die andere an Diphtherie. Mein Großvater hat die kommunistische Umwälzung nicht mehr erlebt. Er starb 1945 an einer Blutvergiftung. Meine Großmutter emigrierte nach Paris, wo sie 1954 auch starb. Mein Vater war, sicher zum Leidwesen meines Großvaters, schon als Schüler der Eisernen Garde beigetreten.“

Die Eiserne Garde war eine faschistische und antisemitische Bewegung bzw. politische Partei mit ca. 250.000 Mitgliedern und damit die drittgrößte faschistische Bewegung in Europa. Ihre Besonderheit war ihre fundamentalistisch-orthodox-religiöse Ausrichtung. Gegründet wurde sie 1927 von Zelea Codreanu unter dem Namen ‚Legion des Erzengels Michael‘, weswegen ihre Mitglieder auch Legionäre genannt wurden. Sie entwickelte sich von etwa 1933 bis 1938 zur Massenbewegung, bevor unter der autoritären Königsdiktatur Carols II. eine massive Repression einsetzte, der zahlreiche Führungsmitglieder zum Opfer fielen, unter anderem Codreanu selbst. Von Anfang Juli 1940 bis Anfang September 1940 beteiligte sich die Eiserne Garde erstmals an einer rumänischen Regierung; am 3. September 1940 versuchte sie unter ihrem nunmehrigen Führer Horia Sima einen Putsch gegen Carol II., der in dieser Lage General Ion Antonescu am 4. September zum Ministerpräsidenten mit unbeschränkten Vollmachten ernannte. Mit der Unterstützung der Eisernen Garde zwang Antonescu Carol II. am 6. September zum Thronverzicht und errichtete ein totalitäres „nationallegionäres“ Regime, das Rumänien fest an die Seite der Achsenmächte führte. Als die Eiserne Garde im Januar 1941 auch gegen Antonescu zu putschen versuchte, kam es zum Bruch mit dem „Staatsführer“, der die Bewegung nach der blutigen Niederschlagung des Aufstandes verbot und rigide verfolgte. Die Führungsriege der Garde floh nach Deutschland. Horia Sima errichtete im Auftrag der Nationalsozialisten von August 1944 bis Mai 1945 in Wien eine rumänische Exilregierung. Von dort floh er nach Spanien, wo er versuchte, die legionäre Bewegung fortzuführen.

„ In der Phase der nationallegionären Regierung gehörte mein Vater trotz seiner Jugend, er war erst 18 Jahre alt, zur engeren Entourage des Führers Horia Sima. Beim Putschversuch der Legion im Januar 1941 tat er sich als besonders rabiater Schläger hervor. Ob er auch Tote auf dem Gewissen hatte, konnte ich nicht in Erfahrung bringen. Nach der Niederschlagung des Putsches floh er mit Horia Sima nach Deutschland und gehörte auch der kurzlebigen Exilregierung in Wien an. 1946 kehrte er auf verschlungenen Wegen nach Rumänien zurück und schloss sich den Partisanen in den Südkarpaten an.“

Dort und in anderen unzugänglichen Regionen hatten sich mehrere Widerstandsgruppen verschanzt und leisteten bis Ende der 50er Jahre mit abnehmendem Erfolg bewaffneten Widerstand. Es handelte sich um fahnenflüchtige Angehörige der königlichen Armee, die sich gegen den Frontwechsel vom 23.08.1944 wandten, versprengte deutsche Soldaten, Angehörige der Eisernen Garde, aber auch Intellektuelle und Studenten sowie andere antikommunistische Widerstandsgruppen. Unterstützt und versorgt wurden sie von der bäuerlichen Bevölkerung der umliegenden Dörfer sowie den Schafhirten, die in der warmen Jahreszeit ihre Herden in den hochgelegenen Gebirgsregionen weideten.

„1947 stellte er sich den Sicherheitskräften und bot sich als Informant über die Stellungen und Nachschubwege der Partisanen an. Er gehörte zu den wenigen, die diesen Weg gegangen sind. Viele seiner Gesinnungsgenossen zogen es vor, entweder unterzutauchen oder ihre Identität zu wechseln. Die meisten von ihnen aber wurden verhaftet und standrechtlich erschossen oder sie erhielten hohe Haftstrafen. Nicht wenige von ihnen, wie auch Bauern und Hirten, die die Partisanen unterstützt hatten, wurden von meinem Vater denunziert. Er sicherte sich dadurch nicht nur seine Freiheit, sondern verschaffte sich durch diesen Verrat sehr schnell auch das Entree in die Securitate, wo er dann eine steile Karriere machte. Protektion erfuhr er durch den damaligen Ministerpräsidenten Petru Groza, der vor dem Krieg Patient meines Großvaters gewesen war. Er war es auch, der meinem Vater riet, sich der Securitate anzuschließen.“

Groza war ein Grandseigneur, hochgebildet und mehrsprachig, aber durch und durch korrupt und skrupellos. Vor dem Krieg gehörte er zu den reichsten Männern Siebenbürgens. Er hatte mehreren Parteien angehört, mehrere Regierungsämter wahrgenommen und sich dadurch ein riesiges Vermögen angeeignet. Aus einer Laune heraus hatte er dann, obwohl er Großgrundbesitzer war, eine bäuerlich-proletarische Splitterpartei namens Frontul Plugarilor (die Front der Pflüger) gegründet, die er nach dem Krieg infolge seines guten Gespürs für die Zeitläufe der Kommunistischen Partei als deren Satellitenpartei zuführte. 1948 ist sie dann auch in der Kommunistischen Partei aufgegangen.

„In der Securitate machte nun mein Vater sehr schnell Karriere. Er etablierte sich endgültig in ihren Strukturen während der Prozesse gegen Ana Pauker, Teohari Georgescu und Vasile Luca, bei deren Vorbereitungen er eine Menge erfolgreicher Verhöre durchgeführt haben soll.“

Diese ausgewiesenen Stalinisten waren gleich nach Kriegsende aus Moskau nach Rumänien geschickt worden, um die Macht zu übernehmen. Sofort besetzten sie Schlüsselämter und galten als Stalins Statthalter in Rumänien. Sie waren auch verantwortlich für die Hinrichtung des hochgebildeten Nationalkommunisten Lucretiu Patrascanu. Als nun der Parteichef Gheorghe Gheorghiu Dej, der sich in der Verfolgungszeit nicht nach Moskau abgesetzt hatte, sondern viele Jahre eingekerkert war, selbst einen nationalkommunistischen Kurs ansteuerte, wurden die sogenannten Moskowiter in groß angelegten Schauprozessen abgeurteilt und aus dem öffentlichen Leben entfernt.

„Weitere Meriten verdiente sich mein Vater Ende der 50er Jahre während der Prozesse gegen die deutsche Minderheit. Da er hervorragend Deutsch sprach, und es zum Teil um angeblich subversive Literaturinterpretationen ging, war er an der richtigen Stelle.“

Die wichtigsten Prozesse waren der Schwarze-Kirche-Prozess, der sich vor allem gegen den Kronstädter evangelischen Stadtpfarrer Konrad Möckel richtete, und der Prozess gegen bekannte deutsche Schriftsteller, unter ihnen Hans Bergel, Andreas Birkner, Georg Scherg, Wolf Aichelburg, Eginald Schlattner u.a. Ihnen wurde unter anderem Konterrevolution und Untergrabung der sozialistischen Ordnung vorgeworfen.

„Nach dem Tode von Petru Groza lehnte sich meinVater an einen anderen Grandseigneur an, nämlich an den späteren langjährigen Ministerpräsidenten Ion Gheorghe Maurer. Die Verbindung hielt auch nach dessen Rückzug aus dem öffentlichen Leben an, denn Maurer hat auch danach noch aus dem Hintergrund viele Fäden gezogen.
Mein Vater war ein äußerst attraktiver Mann und hatte dank seiner vielfältigen Sprachkenntnisse, er sprach fließend Deutsch, Französisch und Englisch, Russisch sprach er nur lückenhaft, ein kosmopolitischesAuftreten, was viele Frauen anzog. 1958 heiratete er meine Mutter Elisabeta Bibescu. Sie entstammte einer Seitenlinie der Fürstenfamilie Bibescu und arbeitet als Lektorin in einem Kunstverlag. Die meisten ihrer Verwandten lebten in der Emigration. Ich wurde 1959 geboren und blieb ihr einziges Kind. Ihr gegenüber hat mein Vater seine tatsächliche Tätigkeit verschwiegen. Er hat sie im Glauben gelassen, er arbeite dank seiner Sprachkenntnisse als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Außen- und im Innenministerium. Als sie durch einen Zufall 1964 von seiner tatsächlichen Tätigkeit erfuhr, hat sie ihn zur Rede gestellt, worauf er nur mit zynischen Bemerkungen in kommunistischem Jargon reagiert hat. Dieses und seine laufenden Affären haben meiner Mutter so zugesetzt, daß sie allmählich schwermütig geworden ist und sich 1967 das Leben genommen hat. Dies scheint aber meinen Vater nicht bekümmert zu haben, denn er hatte sofort eine Affäre nach der anderen. Diverse Frauen gingen auch in meiner Anwesenheit im Hause ein und aus. Deshalb war ich auch viel lieber bei meinem Großonkel Lulu. Wenn er in dieser Zeit mit mir sprach, fragte er mich immer wieder über meinen Großonkel und seine Besucher aus. Auch über Sie hat er mich wiederholt ausgefragt. Er wollte beispielsweise wissen, ob Sie Verwandten- oder Mädchenbesuche bekommen hätten. Einmal fragte er gezielt, ob nicht vielleicht eine Russin bei Ihnen gewesen sei.“

Bei diesem Satz wurde ich ganz hellhörig. Ich hatte nämlich tatsächlich eine Zeit lang eine Liebesaffäre mit einer Studentin aus Minsk. Sie war eine Polin, deren Vater Professor für Botanik an der Universität in Minsk war, und studierte in Bukarest Romanistik und Germanistik. Wir trafen uns sehr oft, meistens im Park Cismigiu. Eins Tages kam sie nicht zum vereinbarten Termin, was mich sehr beunruhigte. Als ich mich in dem Studentenwohnheim, wo sie untergebracht war, nach ihr erkundigte, erhielt ich die Auskunft, sie sei abgereist und komme auch nicht mehr zurück. Ich habe trotz mehrfacher Versuche nie wieder etwas über sie in Erfahrung bringen können. Der Gedanke, dass ihre Abberufung eventuell auf ihren Kontakt zu mir zurückzuführen war, hat mich lange Zeit gequält. Ich habe ihn schließlich verworfen, aber nach der letzten Aussage von Herrn Dinu Ionescu scheint mir diese Möglichkeit nicht mehr ausgeschlossen zu sein, denn sogenannte Westkontakte waren für Sowjetbürger streng verboten. Für Rumänen waren sie lediglich meldepflichtig.

„In der Schule hatte ich keine Schwierigkeiten. Zwar war ich wie alle Schüler auch bei den Pionieren, in die kommunistische Jugend trat ich aber trotz massiven Drucks nicht ein. Dies führte zu heftigen Auseinandersetzungen mit meinem Vater. Als ich ihm bei einer solchen Gelegenheit bedeutete, ich wolle nicht ein solch gewissenloser Opportunist werden wie er, sprach er wochenlang kein Wort mehr mit mir. Für eine Sache bin ich ihm aber bis heute dankbar: Er hat dafür gesorgt, dass ich von klein an Privatunterricht in deutscher Sprache erhalten habe. Als ich nach meinem Bakkalaureat (Abitur) mein Medizinstudium in Klausenburg antrat, sprach ich fast perfekt Deutsch und verkehrte auch meistens nur mit Studenten der deutschen Minderheit. Vom Militärdienst wurde ich zunächst freigestellt, dafür hatte auch mein Vater im Hintergrund gesorgt. In Klausenburg wendete ich mich nun innerlich völlig von ihm ab und wollte mit ihm eigentlich überhaupt nichts mehr zu tun haben. Da in mir aber inzwischen der Gedanke gereift war, das Land zu verlassen und im Westen ein neues Leben zu beginnen, wandte ich mich im Jahre 1981mit schlechtem Gewissen ein letztes Mal an ihn und bat ihn, mir zu helfen, an einem Kongress für junge Mediziner in München teilnehmen zu können. Er versprach mir, mit dem Ministerpräsidenten Ilie Verdet zu sprechen, was er offenbar auch getan hat, denn ich erhielt nach etwa 4 Wochen den Reisepass und die bei solchen Gelegenheiten üblichen Devisen. Bei dieser Gelegenheit wurde mir ganz klar, wie das kommunistische System funktionierte. Gleich nach ihrer Machtübernahme hatten die Kommunisten das in Rumänien seit der osmanischen Okkupation existierende System einer durchorganisierten Klientelgesellschaft übernommen und perfektioniert. Jedes Mitglied des Politbüros und in zweiter Linie des Zentralkomitees organisierte sich eine loyale Hausmacht und honorierte seine Anhängerschaft mit wichtigen Posten und profitablen Pfründen. Dem Generalsekretär oblag es nun, die Interessen dieser Clans auszutarieren und unter Kontrolle zu halten. Stürzte einer dieser Patrone, dann zerriss dessen gesamtes Netz und die Klientelen mussten sich umorientieren. Mein Vater hat dieses System meisterhaft genutzt. Anfänglich begab er sich in die Obhut von Groza, dann von Maurer, und als dessen Einfluss Anfang der 80er Jahre nachließ, lief er zum neuen starken Mann, Ilie Verdet, über. Dieser galt als enger Vertrauter von Elena Ceausescu, der sehr einflussreichen Frau des Generalsekretärs der Partei und Staatschefs Nicolae Ceausescu. Am Tag des Sturzes von Ceausescu verriet er sofort seinen Patron und lief zum neuen kommenden Mann, Ion Iliescu, über. Von diesem wurde er auch sofort mit wichtigen Funktionen honoriert. Während dessen Übergangsregierung wurde er mit der delikaten Aufgabe betraut, das riesige Vermögen der Partei, vor allem die großen Mengen an Devisen, vor dem Zugriff der staatlichen Behörden in Sicherheit zu bringen. Ob ihm dieses in Gänze gelungen ist und inwiefern er sich dabei auch persönlich bereichert hat, kann ich nicht beurteilen. Er starb Ende 1990 bei einem mysteriösen Verkehrsunfall, dessen Hintergründe bis heute nicht aufgeklärt sind. Die Todesnachricht erreichte mich erst 8 Wochen später. Ich war seinerzeit nach meiner Ankunft in München sofort nach Hamburg weiter gereist, wo ich zunächst bei entfernten Verwandten meiner Mutter unterkam. Dank meiner guten Deutschkenntnisse schloss ich sehr schnell meine medizinische Ausbildung ab und bekam auch sofort eine Anstellung in einer kleinen Privatklinik als Assistenzarzt. Ich bin der Klinik treu geblieben und bin heute deren Chefarzt. 1991 habe ich meine Frau Angelika, eine Lehrerin für Deutsch und Geschichte, geheiratet. Wir haben drei Kinder, einen Sohn und zwei Töchter. Tante Tatjana ist in den 80er Jahren irgendwie nach Schweden gelangt und hat dort geheiratet. Sie ist immer noch eine sehr aparte Frau, leidet aber leider unter beginnender Demenz. Mit Rumänien habe ich schon lange abgeschlossen. Nach langem Nachdenken habe ich mich aber nun doch entschlossen, noch einmal zurückzukehren und an der für den 10. August geplanten Demonstration der rumänischen Diaspora teilzunehmen. Die neue Klientelgesellschaft nimnt nämlich inzwischen dramatische Formen an und muß jeden, der noch irgendwie am Lande interessiert ist, sehr beunruhigen. Dem durch und durch korrupten und mehrfach vorbestraften Vorsitzenden der Regierungspartei ist es doch tatsächlich gelungen, die gesamte Partei unter sein Regiment zu zwingen und ist mit seinen Spießgesellen, die allesamt Korruptionsprozesse am Hals haben, dabei, alle staatlichen Organe unter Kontrolle zu bringen. Das Parlament, die Antikorruptionsbehörde, und die Justiz hat er bereits weitgehend gekapert. Ja, sogar das Verfassungsgericht steht mittlerweile in seinen Diensten. Wenn ihm nicht Einhalt geboten wird, errichtet er sicher einen mafiotischen und totalitären Staat. Dann kann er mit seinen Genossen ungesühnt und sorgenfrei das Land ausplündern. Ich fürchte aber, dass die Demonstration nicht allzuviel bewirken wird. Das Land geht schweren Zeiten entgegen.“

Wir unterhielten uns noch eine Zeit lang, wobei ich ihm auch von mir erzählte. An meinen Projekten, die mich zurück in meine alte Heimat geführt hatten, zeigte er großes Interesse. Bevor wir uns verabschiedeten, sagte er: „Sie und ich sind beide Wanderer zwischen den Welten, jeder auf seine Weise.“ „Ja, wir sind Wanderer zwischen den Welten.“

Ehrenbürger der Stadt Schäßburg

Es hast mich mit Stolz und Genugtuung erfüllt, dass mir am 02.08.2018 die Ehrenbürgerschaft der Stadt Schäßburg verliehen wurde. Der Vorsitzende des Demokratischen Forums der Deutschen in Schäßburg, Herr Stefan Gorczyka, hat folgende Laudatio gehalten:

Laudatio zur Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt Schäßburg an
Karl Scheerer

„Wer seine Heimat vergisst, verliert seinen festen Halt und am Ende seine Identität. Die Heimat muß aber stetig neu erworben und gestaltet werden“. Diese Überzeugung hat Karl Scheerer sein ganzes Leben lang begleitet und sein Handeln bestimmt.

Er hatte eine turbulente Kindheit und Jugend hier in Siebenbürgen und gelangte nach einigem Hin und Her im Rahmen der Familienzusammenführung nach Deutschland, wo er seinen Schulabschluss machte, studierte, eine Familie gründete und eine erfolgreiche Berufslaufbahn einschlug. Wie er mir einmal sagte, hatte er trotz einer schwierigen Kindheit hier in Siebenbürgen und seiner Erfolge in Deutschland immer starkes Heimweh gehabt und hat die Verbindung zu seiner Heimat immer aufrecht erhalten und gepflegt. So war es auch folgerichtig, dass er sofort nach Eintritt in den Ruhestand zusammen mit seiner Frau, einer gebürtigen Bayerin, hierher zog und seine ehrenamtliche Tätigkeit im Dienste seiner Heimat aufnahm, für die er heute geehrt wird.

Durch viele Gespräche mit ihm weiß ich, dass seine große Leidenschaft neben seinem historischen Interesse die Literatur ist. Es sind dies u. a. die mittelalterliche deutsche Klassik, die Literatur des 19. Jahrhundert und die Literatur der Postmoderne. Auch die rumänische Geschichte und Literatur sind ihm sehr vertraut. Er hat nicht nur sein Dissertationsthema aus der rumänischen Geschichte gewählt, sondern auch darüber hinaus viele Vorträge in Deutschland und Österreich zur rumänischen Geschichte gehalten. Zur Zeit beschäftigt er sich mit der Übersetzung ins Deutsche von ausgewählten Prosatexten von Mihai Eminescu, mit dessen Werk er sich viel auseinandergesetzt hat.

Karl Scheerer wurde am 27.08.1943 als drittes Kind des evangelischen Pfarrers Josef Scheerer aus Großau (Christian) und seiner Ehefrau Herta, geborene Ungar, aus Nadesch (Nades) in Botsch (Batos) geboren. Botsch (Batos) gehörte zum damaligen Zeitpunkt zu Ungarn, wohingegen sämtliche Verwandte im rumänischen Teil Siebenbürgens wohnten. Der Vater wurde noch vor der Geburt von Karl von der damaligen Volksgruppenführung in die deutschen Militärverbände gepresst und galt sehr rasch als gefallen. Die Mutter floh mit ihren drei Kindern nach dem 23. August 1944 wie fast alle Siebenbürger Sachsen aus Nordsiebenbürgen auf Befehl der Volksgruppenführung in Richtung Westen und die Familie entging nur knapp dem Bombardement von Dresden. Auf Befehl der sowjetischen Truppen wurde sie gewaltsam wieder zurücktransportiert und fand schließlich Unterschlupf auf dem großväterlichen Hof in Nadesch (Nades), wo dann Karl seine deutsche Schulausbildung genoss, die er für einige Zeit auf der Bergschule fortsetzte. Als sich herausstellte, dass der Vater doch nicht gefallen war, er hatte sich nach der amerikanischen Gefangenschaft zunächst in Österreich und später in Deutschland niedergelassen, begann für die Familie Scheerer erneut eine sehr schwierige Zeit. Nach großen Schikanen, Verhaftung der Mutter, völliger Mittellosigkeit und erst nach massiven Interventionen von außen, der Vater hatte dank seiner herausragenden Position hervorragende Beziehungen in Deutschland, Amerika und vor allem zum Friedensnobelpreisträger Albert Schweizer, gelang die Ausreise im Rahmen der Familienzusammenführung. Problemlos absolvierte dann Karl Scheerer ein neusprachliches Gymnasium in Mainz, studierte in Mainz, Innsbruck und Wien Geschichte, Germanistik und Politologie. 1969 führte ihn ein mehrmonatiger Forschungsaufenthalt nach Bukarest und Iasi, wo er sich für seine Dissertation zum Thema: „Die rumänischen Bauernaufstände von 1907 (Marea rascoala din 1907“ dokumentierte. Nach der Promotion war Karl Scheerer eine Zeit lang Dozent für osteuropäische Geschichte an der Universität Mainz, dann Leiter eines Studienzentrums der Carl Duisberg Gesellschaft zunächst in Dortmund, wo auch sein Sohn Peter geboren ist, und dann in Essen. 1975 wurde er zum Gründungsdirektor der Fortbildungsakademie Sambachshof berufen. Er baute die Akademie auf und leitete sie bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahre 2002. Ab 1991 hat er sehr erfolgreich auch Lehrkräfte, Studenten und Schüler, nicht zuletzt auch aus Schäßburg, in hoher Anzahl an dem Fortbildungsprogramm des Sambachshofes teilhaben lassen.

Ab 2002 begann dann seine Tätigkeit hier in Schäßburg und in ganz Siebenbürgen, die von seiner Frau Annemarie, mit der er seit 1971 verheiratet ist, tatkräftig unterstützt wurde. Die dafür benötigten hohen Summen konnte er dank seiner hervorragenden Verbindung zu Institutionen, Stiftungen (vor allem der Hermann Niermann Stiftung in Düsseldorf) spendenfreudigen Firmen und Behörden in Deutschland, Österreich und Südtirol sicherstellen. Hier einige Beispiele:

Aktivitäten in Siebenbürgen

Sicherung von ca. 15 Kirchenburgen mit eingeworbenen Spenden
Sanierung und Ausstattung mehrerer Kultureinrichtungen in Hermannstadt, Kronstadt u.a. mit eingeworbenen Mitteln
Organisierung und Durchführung in Eigenregie von über 50 Fortbildungslehrgängen für Lehrer und Schüler an den deutschsprachigen Schulen (speziell auch für Schäßburg) mit eingeworbenen Mitteln

Aktivitäten in Schäßburg

Generalsanierung und komplette Neuausstattung sämtlicher Gebäude des Joseph Haltrich Lyzeums in Eigenregie (von der Planung, Bauvergaben, Baukontrolle, Dekontierung bis zur Schlüsselübergabe) mit Mitteln der Hermann Niermann Stiftung
Mittelbeschaffung (Italien, Österreich, Deutschland) für die Generalsanierung und Neueindeckung des evangelischen Kindergartens
Beschaffung der Inneneinrichtung und der Spielgeräte im evangelischen Kindergarten in Eigenregie
Teilmittelbeschaffung für den Bau der Fundatia Gaudeamus
Übersetzung und Herausgabe der Schäßburg-Monographie von Gh. Baltag und anderer Publikationen mit Bezug zu Schäßburg
Vermittlung von Spenden an verschiedene kulturelle Einrichtungen in Schäßburg
ständige Beratung der Leitung des Joseph Haltrich Lyzeums Hilfestellung und Fundraising bei auftauchenden Problemen

Karl Scheerer implizierte sich auch in den Gremien des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien auf allen Ebenen, wo wir ihn als engagierten Mitstreiter, Gestalter und guten Redner kennen. Letzteres hat er nicht zuletzt bei den deutschen Kulturtagen in Schäßburg immer wieder unter Beweis gestellt.

Für mich als Vorsitzendem des Demokratischen Forums der Deutschen in Schäßburg ist es eine große Genugtuung, dass der Stadtrat unserem Ansuchen auf Erteilung der Ehrenbürgerschaft von Schäßburg an unseren Freund Karl Scheerer entsprochen hat, und dafür danken wir ihm und Ihnen, Herr Bürgermeister, ganz herzlich. Karl Scheerer und seine Frau Annemarie haben sich um die Stadt Schäßburg verdient gemacht.

Schließen möchte ich mit einem Wort des neuen Ehrenbürgers: „Wir haben nur eine Heimat, und die müssen wir hegen und pflegen. Das sind wir unseren Vorfahren und Nachkommen schuldig“.

Dankesworte anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerschaft von
Schäßburg

Es ist mir eine große Ehre, daß mir die Ehrenbürgerschaft der Stadt Schäßburg verliehen worden ist. Dafür danke ich Ihnen, Herr Bürgermeister, und dem Stadtrat ganz herzlich. Ich danke auch dem Vorsitzenden des DFDS, Herrn Stefan Gorczyka, ganz herzlich für seine freundlichen und anerkennenden Worte.

Als ich Schüler der Bergschule war, hätte ich nicht im Traum daran gedacht, dass ich eines Tages Ehrenbürger dieser wunderbaren Stadt werden würde. Auch als ich mich entschloss, nach meiner Pensionierung hierher zurückzukehren und ehrenamtlich zum Wohle der Stadt tätig zu werden, habe ich nicht daran gedacht. Es war ausschließlich mein Wunsch, mit meinen Möglichkeiten meiner Heimat, die mich nie losgelassen hat, zu dienen. Ich verhehle nicht meine Genugtuung darüber, dass es mir einigermassen gut gelungen ist.

Es wäre mir aber nicht gelungen, wenn ich nicht meine tatkräftige und tüchtige Frau an meiner Seite gehabt hätte. Als ich mit ihr über mein Vorhaben sprach, war sie zunächt überhaupt nicht begeistert: „Ich kenne ja niemanden dort und kann auch die Landessprache nicht. Was soll ich also dort? Ja, es ist Deine Heimat, aber ich bin in Bayern verwurtelt.“ Nach einiger Zeit kam sie aber zu mir und sagte: „Hör zu Sachse, ich habe nachgedacht und mich entschlossen mitzumachen. Ich glaube, es wird interessant und ich bin bereit, mit Dir ein neues Leben in Deiner Heimat zu beginnen.“ Also packten wir unsere Koffer und seither ist sie stets an meiner Seite und unterstützt mich in allen meinen Vorhaben. Ohne sie hätte ich vieles nicht geschafft. Jedes Mal, wenn ich auf Schwierigkeiten stieß, oder nicht weiter wusste, hat sie mich nicht nur ermuntert, sondern wusste auch immer einen guten Rat. Übrigens war auch sie es, die mich auf die Idee brachte und insistierte, die Bergschule als erstes großes Investitionsobjekt auszuwählen. Aber nicht genug damit: Sie hat mittlerweile Rumänisch gelernt und impliziert sich sehr erfolgreich selbständig mit viel Phantasie und Tatkraft und mit ihren eigenen Verbindungen zu Sponsoren und Hilfsorganisationen im Interesse de Josef Haltrich Lyzeums. Sie hat sich um die Stadt und speziell um das JHL sehr verdient gemacht. Dafür möchte ich ihr an dieser Stelle ganz herzlich danken und ich schließe sie in die Ehre, die mir heute zuteil wurde voll mit ein.

Ich möchte schließlich auch allen Freunden und Helfern, die uns von Anfang an freundlich aufgenommen und unterstützt haben, herzlich danken. Wir haben uns von Anfang an in Schäßburg sehr wohl gefühlt.

Recht herzlichen Dank!!